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Wie macht man Software-Peer-Review effektiv und effizient: 3 einfache Tipps

Das Peer-Review-Verfahren (Begutachtung durch Kollegen) ist eine weit verbreitete Praxis in der Software-Entwicklung. Zweifellos kommt das Prinzip "ein Kopf ist gut und zwei Köpfe sind besser" dem Produkt zugute. Die Kernfrage ist, ob die Verbesserung den Preis wert ist, den Sie dafür bezahlen. In einem sicherheitskritischen Bereich wie der Luft- und Raumfahrt, in dem Überprüfungen zwingend vorgeschrieben sind, steht dieses Thema auf der Tagesordnung. Der DO-178C-Standard zwingt die Bewertung fast jedes einzelnen Elements, das während des Lebenszyklus des Projekts erstellt wird, was bis zu 30% der Projektarbeit in Anspruch nehmen kann. Daher ist es von entscheidender Bedeutung, Zeit für effektive und effiziente Peer-Reviews zu investieren.

Der ursprüngliche Zweck, der hinter den Peer-Reviews steckt, verschwimmt jedoch manchmal, insbesondere bei einem großen und komplizierten Luft- und Raumfahrtprojekt. Der Beurteilungsprozess läuft entweder auf eine Bewertung des Entwicklungsprozesses hinaus, wobei der Schwerpunkt auf der Ausstellung formaler Prüfprotokolle liegt, oder er wird unwirksam, wenn sich die Gutachter zu tief in Aspekte hineindenken, die die Endqualität des Produkts nicht beeinflussen.

Beachten Sie die folgenden einfachen Tipps, um die Qualität des DO-178C-Überprüfungsprozesses mit der dafür aufgewendeten Zeit in Einklang zu bringen:

Tipp № 1. Fördern Sie die richtige Einstellung

Haben Sie schon einmal eine so genannte "Fragebogenbewertung" beobachten können, bei der alle Punkte als "normgerecht" markiert werden, ohne sie tatsächlich zu überprüfen? Ich denke schon, vor allem, wenn die Fristen knapp sind und das Management zur Eile drängt. Ein weiteres Beispiel für eine falsche Einstellung sieht so aus: "Korrigieren Sie es so, wie ich es sage", wenn ein Rezensent viel mehr Macht oder Erfahrung hat als der Autor.

Um solche Fälle zu vermeiden, behalten Sie stets die folgende einfache Definition im Hinterkopf: «Eine Begutachtung ist immer eine unabhängige qualitative Meinung hinsichtlich der Eignung und Qualität der Ergebnisse Ihrer Leistung, nicht mehr und nicht weniger». Jedes einzelne Wort in diesem Satz ist von großer Bedeutung.

  • Die Beurteilung muss unabhängig sein. Der Gutachter und der Autor müssen die festgestellten Unstimmigkeiten miteinander diskutieren und für ihren Standpunkt argumentieren, bis in einer bestimmten Frage eine Einigung erzielt wird; keine Partei kann ihre Meinung in zwingender Weise kategorisch durchsetzen.
  • Die Bewertung ist immer qualitativ. Sie können Ihren Standpunkt niemals mit 100% strengen mathematischen Beweisen belegen. Es bleibt immer Raum für Subjektivität.
  • Die Überprüfung zielt darauf ab, die Konformität eines zu bewertenden Leistungsergebnisses mit den Normen, Verfahren und Vorgaben, nach denen es konzipiert wurde, zu bestätigen oder zu widerlegen. Die Bewertung ist weder eine Brainstorming-Sitzung noch eine wissenschaftliche Tagung oder ein Schulungskurs.

Tipp № 2. Erstellen Sie eine wirksame Checkliste

Ein Peer-Review dürfte die Qualität des Produkts verbessern. Allerdings ist "Qualität" ein sehr amorphes Wort. Jeder hat ein intuitives Verständnis dieses Begriffes, aber fast niemand kann ihn knapp und in Verbindung mit quantitativen Indikatoren beschreiben. In einer DO-178C-Welt haben wir glücklicherweise einen einigermaßen klaren Leitfaden zur Definition von Produktqualität.
  1. Zum einen muss der Betrieb des Produkts gefahrlos sein.
  2. Zum zweiten, und zusätzlich zum ersten, müssen das Produkt und der Prozess den Standards gerecht sein.
  3. Zum dritten, und zusätzlich zum ersten und zweiten, muss das Produkt die vorgegebenen Funktionen erfüllen und darf nichts Unvorhergesehenes tun.
  4. Und viertens muss das Produkt zusätzlich zu all dem oben Gesagten für eine Betriebsdauer von 30 Jahren oder mehr ausgelegt sein.

Validieren Sie jede Überprüfungscheckliste stets auf Übereinstimmung mit diesen Grundsätzen. Stellen Sie eine ausreichende Spezifizierung der Checkliste sicher. Die Fragen auf der Checkliste sollten aufzeigen, inwieweit diese Grundsätze im fraglichen Produkt umgesetzt sind, und nicht auf deren oberflächliche Einhaltung hinweisen. Andererseits dürfte die Checkliste aber auch nicht überflüssig sein. Fokussieren Sie sich auf das, was lebenswichtig ist. Eine Checkliste mit 150 Fragen für einen einfachen Modultest bedeutet, dass Sie etwas verkehrt machen. Vernachlässigen Sie niemals das Feedback, das Sie von dem Bewerter erhalten. Überarbeiten Sie die Checkliste, wenn der Gutachter Mühe hat, eine Kategorie auszuwählen, um eine festgestellte Inkonsistenz zu klassifizieren, oder wenn zu viele Unstimmigkeiten unter die Kategorie "Anderes" fallen.

Tipp № 3. Gestalten Sie den richtigen Prozess

Stellen Sie sicher, dass nur die relevanten Teilnehmer an der Auswertung beteiligt sind und dass ihre Beteiligung weder übermäßig noch unzureichend ist. Für das Beispiel mit dem Modultest wäre die Teilnahme von zwei Prüfingenieuren, einem Moderator und einem Vermittler redundant. Ein solches Team könnte jedoch nicht ausreichen, um die Software-Architektur auszuwerten.

Der Ablauf des Bewertungsverfahrens ist ebenfalls sehr wichtig. Versorgen Sie Ihre Expertengruppe mit den erforderlichen Ressourcen, um den Datenaustausch zwischen den Teilnehmern zu erleichtern und die Datensatzverwaltung zu modernisieren, sodass dies ein angenehmer Teil der Projektkultur wird und nicht zu einer lästigen formalen Routine. Typischerweise werden die Systeme der Konfigurationssteuerung durch Peer-Review-Softwareeinfügungen erweitert, um den Prozess schnell, transparent und logisch zu gestalten. Die Investition in einen Werkzeugsatz praktischer Bewertungstools ist in diesem Fall eine kluge Entscheidung. Was Sie nicht haben wollen, ist ein "manueller" Prozess und ein Bündel von Aufzeichnungen, die wie eine mehrbändige "Chronik der Projektgeschichte" aussehen.

Die Befolgung dieser drei Tipps bietet Ihnen ein leistungsstarkes Werkzeug für die Projektanalyse und macht den Evaluierungsprozess adäquater. Mit effizienten Checklisten erhalten Sie eine gut strukturierte Datentaxonomie. Die richtige Einstellung und die richtigen Teilnehmer schaffen die Zuversicht, dass die mit den Checklisten verbundenen Daten korrekt und repräsentativ sind. Die statistische Analyse wird dazu beitragen, zusätzlich zum Auswertungsprozess schwache oder rückständige Aspekte des Projekts zu identifizieren.

DO-178C verlangt eine Evaluierung, und diese Forderung lässt sich nicht ignorieren. Es ist Ihre Entscheidung, ob Sie dies nur tun, um den Anforderungen gerecht zu werden, oder um einen wirklichen Wandel herbeizuführen. Meine drei Tipps können Ihnen helfen, eine kluge Entscheidung zu treffen und ein Maximum aus dem Bewertungsprozess zu gewinnen.